Warum überhaupt im Internet veröffentlichen?

Wer mein medienkritisches Buch „Demokratie im Stresstest“ gelesen hat, das ich Anfang 2017 als Weckruf zur Achtsamkeit gegenüber den sozialen Medien veröffentlicht habe, den mag es überraschen, dass ich hier in solchem Umfange ein öffentliches Bekenntnis zu meinen Gedanken, Meinungen und Erfahrungen ablege. Ich denke, man muss sich der Realität stellen; die alte Zeit, die wir hinter uns gelassen haben, kommt nicht mehr wieder.

WIr alle sind in der Zwickmühle. Wer ein Anliegen und irgendetwas zu sagen hat – und sei es, dass er nur eine kleine Änderung im Gemeinwesen fordert, der muss damit an die Öffenltichkeit treten. Doch jedes öffentliche Auftreten sickert ins Internet, wo es im Prinzip der gesamten Weltöffentlichkeit zugänglich ist. Wir haben guten Grund, davon beunruhigt zu sein. Die Informationen über uns verbreiten sich nämlich schnipselweise. Wer weiß, was ein anderer unter unserem Namen findet, wenn er uns googlet? Sind die ersten Punkte, die Suchmaschinen über uns verbreiten nicht oft ganz willkürlich, wenn nicht gar ein Ärgernis? Was passiert, wenn sich andere Menschen, aber auch Computerprogramme, aus diesen Fragmenten ein Bild über uns zusammenreimen? Da ist es doch besser, einen zentralen Anlaufhafen für Informationssuchende zu schaffen, den man selbst kontrolliert.

Der reife Umgang mit dem Netz verlangt, dass wir im Netz heimisch werden. Immer mehr Menschen, die keine Promis sind, begeben sich aus solchen Überlegungen in die Halböffentlicheit des Internets. Sie setzen ein Statement: dies bin ich, so denke ich und das sind meine Gründe. Ich bin kein anonymer Schatten, der in den sozialen Medien abrupt auftaucht, sich über etwas auslässt und wieder in der Versenkung verschwindet. Ich bin ein Mensch, der in seinem Leben das geworden ist, was er ist: mit der Plicht mitzudenken und dem Recht, sich zu irren. So weit bin ich öffentlich, weiter nicht.

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